Tamara Könen - Pia Greschner: Staircase

Tamara Könen - Pia Greschner: Staircase

In: Katalog Videonale 12, Kunstmuseum Bonn, 2009

 

The video Staircase features images of a spiral staircase built by the renowned Brazilian architect Oscar Niemeyer in the city of Brasilia. An inner monologue whose theme is a personal, idealized vision of life in the tropics is superimposed on the image. It is accentuated by apparently random, brief intervals of ocean sounds. The viewer is encouraged to read the dreamy text, which has a hypnotic effect. This also allows the reader to adapt to the tempo of he text in order to follow the flow of imagination. These visualized thoughts convey a romantic image of the tropics, underscoring generalized, stereotypical, and glorified ideas of them. However, by creating a disparity between the image and the sound, the video withholds this romanticism, because the artist contrasts the white beaches and sunshine with Niemeyer´s modernist, functionalist architecture. The text tells of an alluring, exotic, distant place, while the image merely shows a piece of unadorned urban architecture. Using minimal means, the artist creates a kind of internal disquiet in the viewer, Yet, on closer observation, the contrast makes this seem excessive and out of touch with reality. Here, the viewer´s expectations – his or her stereotypical methods of perception and wishful thinking – are first built up and then exposed.

 

Das Video Staircase zeigt die fotografische Aufnahme einer geschwungenen Treppe, die von dem bedeutenden brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer in der Stadt Brasilia realisiert wurde. Vor dem Bild wird ein innerer Monolog eingeblendet, der eine persönliche, idealisierte Imagination vom Leben in den Tropen thematisiert und von kurz eingespielten, scheinbar zufälligen Intervallen von Meeresrauschen untermalt wird. Der Betrachter wird zum Lesen des träumerischen Texts angehalten, welcher eine hypnotisierende Wirkung erzielt. Dabei wird der Leser dazu veranlaßt, sich auf das Tempo des Textes einzulassen, um dem Imaginationsfluss zu folgen. Die visualisierten Gedanken vermitteln ein romantisches Bild der Tropen und unterstreichen allgemeine, stereotype und verklärte Vorstellungen derselben. Die Gegenüberstellung von Bild und Ton im Video verweigert diese allerdings, indem die Künstlerin die weißen Strände mit Sonnenschein in Kontrast zu der modernistischen, funktionalistischen Architektur Niemeyers stellt. Die Textebene vermittelt eine anziehende exotische Ferne, wohingegen die Bildebene nur eine reduzierte urbane Architektur zeigt. Dadurch entsteht beim Betrachter eine Art innere Unruhe, welche die Künstlerin mit minimalistischen Mitteln aufgebaut hat. Diese wirkt jedoch bei genauerer Betrachtung durch das kontrastierende Bild überzogen und realitätsfern. Die Erwartung der Betrachter wird hier in ihren stereotypen Wahrnehmungsweisen und Wunschvorstellungen erst aufgebaut und dann entlarvt.